Der gefühlte Unterschied zwischen Kapitalismus und Solidarität
Wer kennt dieses Gefühl. Man geht ins Kaufhaus, ins Fitnessstudio man setzt sich ins Café oder man betritt das Geschäft. Als erstes trifft einen der musternde Blick des Gegenüber. Der Atem gerät ins Stocken. Die Schuhe sind nicht die Neuesten, schlimmer noch sie sind nicht von Addidas. Der Blick wandert nach oben. Die Hosen, das Hemd, das wars. Zugleich steigt die beiderseitsige Abneingung. Erste Klasse, zweite Klasse, dazugehörend oder Außenstehender. Hier entsteht das tief innenliegende natürliche Gefühl des Unverständnisses für diese Gesellschaft. Geld, Geld, Geld ist das Stickwort. Das Gegenüber hat sich bereits abgewendet, vielleicht aus Verachtung, vielleicht aus einer Art Mitleid. Aber das Mitleid kommt von beiden Seiten. Von der Einen aus Unwissen, von der Anderen aus Voraussicht. Die Hand fährt in die Hosentasche und zieht die goldene Kreditkarte hervor. Der Vorhang fällt die Stimmung schlägt um. Die Mundwinkel des Gegenüber verzerren sich zu einem befohlenem und oft eingeübten Grinsen. "Wie darf ich Ihnen helfen?" Fast hätte der widerwärtig ehrliche Instinkt das Wort "darf" mit "muss" verwechselt, aber das wäre im Eifer des Gefechts nur halb so wild gewesen. Beide wissen um die gegenseitige Abneigung, aber Geschäft ist Geschäft.
Und das Gefühl des allgegenwärtigen Kapitalismus hat einmal mehr die Sehnsucht nach Solidarität genährt. Nicht nach falscher Solidarität, wie sie die Kirchen versprechen. Jene, die sich als Allmosenempfänger des Kapitals auf die Ausgestoßenen stürzen, um sie vom jeweiligen Heiland zu überzeugen. Nein nach echter Solidarität, wie sie der aufgeklärte Mensch lebt.

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